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Ritual Den Schleier Teilen

Nekromantie · Rituale

Die Schwarze Hand: Handbuch der Tal’Mahe’Ra · S. 176–177

Stufe 2

Sich von Seelen zu ernähren, ist eine grauenhafte Angelegenheit, die die Moral mit jeder Mahlzeit zerfetzt zurücklässt. Etwas praktischer gesprochen, reicht der Korpus von Gespenstern als Nahrung zwar aus, um die Disziplinen anzufeuern, führt aber auch dazu, dass der Vampir jede Nacht völlig leer aufwacht. Als die Sendboten des Todes zum ersten Mal in die Schattenlande eindrangen, wurde offenkundig, dass eine Blutquelle erforderlich werden würde, weil ansonsten nur die Starre oder Diablerie die Alternative gewesen wären. Der uralte Lazaraner Abraham erforschte vor langer Zeit ein Relikt, das als die Schwarze Thora bekannt war. Diese Sammlung von Schriftrollen erhellte einen Großteil des Geheimnisses der Unterwelt, und indem er sie durchsah, erlangte ein Verständnis dafür, wie die Toten sich in die Welt der Lebenden einmischten. Er erinnerte sich wieder an die Worte der Schwarzen Thora und konnte dadurch erfolgreich Den Schleier Teilen auf einen christlichen Tempel in Tarsus anwenden, wobei er das Leichentuch vorübergehend genug schwächte, um es den Sterblichen zu ermöglichen, in das Land der Toten hinüberzugehen. Keiner von ihnen kehrte zurück, aber die Sendboten waren zum ersten Mal seit ihrer Verbannung gesättigt. Das Ritual wird bei der Reflexion eines Ortes in den Schattenlanden durchgeführt. Der Nekromant muss Blut opfern, um mehr davon zu erhalten. Dabei hält er seine Handgelenke über offenes Feuer, bis seine Haut zu reißen und sich zu öffnen beginnt. Dann muss er die Flammen mit seinem eigenen Blut ersticken. Die berauschende Mischung aus Schmerz, Willen und Nekromantie macht es möglich, dass die Welt der Lebenden für den Nekromanten sichtbarer wird. Sterbliche auf der anderen Seite, die das Pech haben, unwissentlich zwischen den beiden gelöschten Flammen hindurchzulaufen, betreten die Schattenlande.

Auch wenn Sethskinder hinübergehen können, ist es Kainskindern nicht möglich, die Schattenlande zu verlassen. Abraham verfolgt die Theorie, dass diese Beschränkung eher auf seine Blutlinie zurückzuführen ist als auf das Ritual, und er lechzt danach, den Schatten der Schwarzen Thora zu finden, damit er beweisen kann, dass diese Auffassung der Wahrheit entspricht und ein Ritual erschaffen kann, das eine Reise in beide Richtungen ermöglicht. Die Schwarze Thora aus der Welt dort oben wurde in einem Inferno zerstört, als Abraham sein eigenes Ableben fingierte, um seine Giovanni-Jäger loszuwerden. In den Nächten der heutigen Zeit bemühen sich viele Nekromanten der Schattenlande um dieses Ritual. Es ist niemals mit den Giovanni geteilt worden, aber die Sendboten enthüllten es ihren Gastgebern in der Tal’Mahe’Ra. Überall dort, wo das Ritual praktiziert wird, neigen die Sterblichen eher dazu, zu verschwinden, zumindest bis sich der Schleier schließt.

System: Um das Ritual erfolgreich durchzuführen, muss der Nekromant zunächst die Reflexion einer Örtlichkeit mit spiritueller Resonanz in den Schattenlanden finden, wie zum Beispiel einen Tempel, einen Totenacker, einen Ort, an dem ein Mord stattgefunden hat oder eine Stelle, an der die Gemüter äußerst erhitzt sind, wie zum Beispiel ein Sportstadion, eine Drogenhöhle oder das Schlafzimmer von Erwachsenen. Nachdem Blitze in der in den Schattenlanden ansässigen Version dieser Örtlichkeit aufgeflammt sind und der Nekromant ihnen seine Handgelenke offenbart hat (typischerweise auf beiden Seiten des Wirkenden), muss er einen Mutwurf gegen die Schwierigkeit 7 ablegen, um den Rötschreck zu widerstehen. Falls Seelenstärke eingesetzt wird, um den Schaden zu verringern, den das Feuer zufügt (V20, S. 297), scheitert das Ritual. Der Wirkende muss zwei Blutpunkte aufwenden, um die Flammen zu löschen (weitere Punkte müssen aufgewendet werden, wenn die Flammen größer sind als die von Fackeln). Das Leichentuch wird für eine Anzahl von Stunden geschwächt, die der Anzahl der Punkte entspricht, die der Wirkende auf seinem höchsten Nekromantiepfad gelegt hat. Das Ritual macht ihn so lichtdurchlässig, dass ein Blick in die sterbliche Welt möglich wird. Eine Anzahl von Sterblichen, die der Anzahl an aufgewendeten Blutpunkten entspricht, kann durch die Flammen, die bei dem Ritual eingesetzt wurden, hinübergehen und wird in den Schattenlanden eingeschlossen. Der Schleier schließt sich entweder, nachdem die erforderliche Anzahl an Sterblichen hindurchgegangen ist oder nachdem die Stunden abgelaufen sind.