Weg des Wendigos
Thaumaturgie · Thaumaturgie
Blutriten · S. 31
Stufe 5
Der Wendigo ist ein bösartiger, fleischfressender Geist, der angeblich von Menschen Besitz ergreift, die das Tabu des Kannibalismus brechen. Sobald er sich mit einer menschlichen Form verbunden hat, soll er die Seele des Opfers so lange korrumpieren, bis nur noch eine Bestie übrig bleibt.
Dieses verbotene Ritual wurde von einem Tremere-Lehrling entwickelt, der den Angriff auf sein Gildenhaus kurz vor der Amerikanischen Revolution überlebt hatte. Schwer verwundet und bis zum Zusammenbruch erschöpft, schleppte er sich bis zu den Großen Seen, wo er von den Menschen trank, die dort fischten und lebten, bis er dazu überging, das Fleisch seiner Opfer rituell zu verzehren. Der unerfahrene Lehrling stellte fest, dass diese Praktik seine Wunden heilen ließ und seinen Geist beruhigte.
Der Weg des Wendigos gibt dem Thaumaturgen die Möglichkeit, nicht nur sein eigenes Blut, sondern auch lebendes Fleisch aufzunehmen, um sich selbst durch die Lebensessenz seiner Opfer zu stärken. Dunkle Magie wie diese fordert immer einen Preis von der Seele. Das Tier wird stärker, wenn es gefüttert wird und diejenigen, die dem Pfad des Wendigos nachgeben, bilden hierbei keine Ausnahme. Es heißt, dass der Tremere, der dieses Ritual ursprünglich entwickelte, längst dem Tier verfallen ist.
System: Der Thaumaturg sucht sich ein Opfer aus, von dem er glaubt, dass es eine Tugend repräsentiert, die er bewundert: z. B. Intelligenz, Reinheit oder Verehrung. Er muss das Opfer mit Öl, Salbei und Asche während eines einstündigen Rituals einreiben. Auf dem Höhepunkt des
Rituals ermordet der Anwender das Opfer mit dem Oberschenkelknochen eines Gehängten und isst sein Fleisch.
Die Aufnahme des Fleisches erlaubt es dem Thaumaturgen, die Essenz des Opfers in sich aufzunehmen, um die Bedürfnisse seines untoten Körpers und Willens aufzufüllen. Danach wird er von Schläfrigkeit übermannt und erleidet in der kommenden Stunde einen Modifikator von -1 auf alle Würfelvorräte. Allerdings wird der Thaumaturg für alle zehn Minuten Ruhe einen Punkt Willenskraft und eine Gesundheitsstufe regenerieren. Wenn der Thaumaturg nicht über den Vorzug Essen verfügt (V20, S. 480), wird er am Ende der Nacht dazu gezwungen, das aufgenommene Fleisch zu erbrechen.
Dies ist ein grausames Ritual, bei dem seinem Opfer stets bewusst ist, dass es sterben und im Anschluss verzehrt werden wird. Eine solch abscheuliche Tat verlangt der Menschlichkeit des Thaumaturgen einen Tribut ab, indem sein Geist mit Eindrücken aus dem Leben des Opfers und den Erfahrungen seines grausamen Todes geflutet wird. Der Einsatz dieses Rituals kostet den Charakter automatisch mindestens einen Punkt Menschlichkeit (bis zu einem Minimum von 2). Außerdem kann der Erzähler einen Wurf auf Gewissen (Schwierigkeit 8) fordern. Ein Scheitern bedeutet den Verlust eines weiteren Punktes Menschlichkeit (wodurch der Wert auch unter 2 sinken kann), während ein Patzer einen noch höheren Verlust bedeuten könnte.
Der Einsatz dieses Rituals benötigt einen Wurf auf Selbstbeherrschung (Schwierigkeit 8). Ein Scheitern bedeutet, dass der Thaumaturg die permanente Schwäche Sucht erhält: Menschliches Fleisch (V20, S. 482).