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Amulett der Mnemosyne

Thaumaturgie · Thaumaturgie

Blutriten · S. 25–26

Stufe 3

Zu den häufigsten und stärksten Waffen, die ein Vampir auf dem politischen Parkett in seinem Arsenal führt, gehören vorsichtige Lügen und Halbwahrheiten. Das richtige Geheimnis im falschen Moment geflüstert, kann einen herausragenden Ruf zerstören und Pläne vereiteln, die über Jahrzehnte geschmiedet wurden. Solche Geheimnisse wegzuschließen benötigt ordentlich Willenskraft und meisterhaften Umgang in der Kunst der Täuschung. Dennoch gibt es Disziplinen und Rituale, mit denen man Gedanken aus dem Kopf eines nichtsahnenden Opfers picken kann, womit man es zwingt, seine Geheimnisse zu verraten oder es insgesamt vom Lügen abhalten kann.

Während der britischen Regency-Ära beschloss ein kleines Gildenhaus, sich der Lösung dieses Problems anzunehmen. Die Wahrheit stellte sich als ein zu mächtiges Konzept heraus, als dass sie gänzlich aus dem Geiste eines Ziels hätte

entfernt werden können. Sie schafften es, Erinnerungen zu verschleiern oder neu zu schreiben, doch es blieb stets ein Element der Wahrheit im Gefäß zurück. Doch als die Thaumaturgen erkannten, dass Wahrheit messbar war, wurde die Lösung plötzlich klar. Das Amulett der Mnemosyne erlaubt es dem Träger, ein Geheimnis in das Amulett zu flüstern und so die Energie der Wahrheit in diese magische Hülle zu transferieren.

System: Der Thaumaturg erschafft ein aus Messing geschmiedetes Amulett und badet es in seinem Blut. Als nächstes muss er die Beschwörungsformeln über dem Amulett rezitieren, während es auf einem Objekt ruht, das für den Thaumaturgen die Wahrheit symbolisiert. Abschließend muss der Träger (der nicht der Thaumaturg sein muss), in seine Lippen stechen, das Amulett küssen und ihm sein Geheimnis zuflüstern.

Sobald es aktiviert wird, ist das Geheimnis vollständig aus dem Geist des Trägers entfernt, bis der Träger das Ritual durch einen erneuten Kuss auf das Amulett umkehrt. Seine Erinnerungen werden komplett umgeschrieben, um die fehlende Information abzudecken. Diese neuen Erinnerungen entstehen aus der reinen Macht der Magie, sodass weder der Thaumaturg noch das Ziel Einfluss auf bestimmte Details haben.

Sollte das Amulett zerstört werden, kehrt das Geheimnis in den Geist des Besitzers zurück.

Wenn ein rivalisierender Thaumaturg das Amulett entdeckt und das Ritual kennt oder danach forscht, kann er versuchten, sich das darin ruhende Geheimnis anzueignen.

Indem er das Amulett an sein Ohr hält, verwickelt der rivalisierende Thaumaturg den ursprünglichen Anwender in einen vergleichenden Wurf auf Willenskraft. Sollte der fremde Thaumaturg gewinnen, wird das Geheimnis in seinen Geist übertragen. Der ursprüngliche Hexer wird sich unwohl fühlen, so als stimme etwas nicht, doch er wird sich der Ursache dieses Gefühls nicht bewusst sein, da er das Geheimnis vergessen hat.

Die Kehrseite dieses Rituals ist, dass der Träger keine Ahnung hat, dass es dieses Geheimnis gibt oder dass er es in einem Amulett versteckt hat. Er wird sich so verhalten, wie es ihm seine Persönlichkeit suggeriert, was zu einer Reihe von Komplikationen führen kann. Ironischerweise macht sich das Ziel durch das Verstecken seines Geheimnisses verwundbar. Wenn das Ziel beispielsweise das Kind des Prinzen ermordet hat, wird es sich nicht daran erinnern, am Hofe vorsichtig zu sein oder darüber nachdenken, dass andere dieses Geheimnis herausgefunden haben könnten.

Ein schlauer Thaumaturg wird dafür Sorge tragen, dass das Amulett wieder zurück in seine Hände gelangt, wenn die Gefahr vorüber ist, indem er es per Post an sich selbst schickt oder indem er es einem engen Vertrauten zusammen mit einer Notiz in seiner eigenen Handschrift übergibt. Aus diesem Grund wird jeder Thaumaturg, der das Ritual kennt, zusammenzucken, wenn er ein Amulett der Mnemosyne findet und das Geheimnis fürchten, das er freilegen könnte.