Das Sprengen der fleischlichen Ketten
Disziplinkräfte · Obeah
Vampire: Die Maskerade Jubiläumsausgabe · S. 460–461
Stufe 9
Disziplin: Obeah
Einige Ahnen der Salubri können (oder konnten zumindest) ein Verständnis der Seele erlangen, das ihnen erlaubte, sie von ihren fleischlichen Grenzen zu befreien. Der Charakter erlaubt der Seele einer freiwilligen Zielperson, ihren Körper zu entlassen. Sie kann die Welt als astrale Projektion erkunden und diese Existenz wann immer sie möchte hinter sich lassen.
System: Der Vampir und die Zielperson müssen sich für mindestens 1 Stunde in eine ununterbrochene, tiefe meditative Trance versenken, in deren Verlauf der Salubri die Rituale durchführt, die erforderlich sind, um die Seele vom Fleisch zu lösen, ohne beiden zu schaden. In dieser Zeit setzt der Spieler eine Anzahl von Blutpunkten ein, die der doppelten permanenten Willenskraft der Zielperson entspricht. Am Ende des Rituals fällt die Zielperson ins Koma und stirbt bei Sonnenaufgang. Tremere und andere vorsichtige Kainskinder warnen, die Salubri täuschten falsche Tatsachen vor, um andere davon zu überzeugen, sich aus
freien Stücken von sterblichen Mühen „erlösen“ zu lassen, wenn sie in Wahrheit doch nur die Seele auf eine andere Daseinsebene verbannen wollen. Die Seele der Zielperson verlässt den Körper und betritt die Astralebene (s. Auspex: Psychische Projektion). Dies ist dauerhaft und endgültig. Regeltechnisch ist die Zielperson fortan ein sich astral projizierender Charakter. Sie besitzt jedoch keinen Silberfaden mehr und benötigt ihn auch nicht, da sie nun unabhängig von ihrem Körper existiert. Verliert sie durch einen Astralkampf alle Willenskraftpunkte, verliert sie 1 Punkt permanenter Willenskraft und bildet sich nach einem Jahr und einem Tag wieder an jener Stelle neu, an der diese Kraft auf sie angewendet wurde. Ein Charakter, der seinen letzten permanenten Willenskraftpunkt verliert, ist für immer vernichtet.
Diese Kraft kann man nur auf Sterbliche (mit Ausnahme von Magi) und Vampire, die Golconda erreicht haben, anwenden, und die Zielperson muss sich bewusst sein, was das Ritual bedeutet – einschließlich der Tatsache, dass seine Auswirkungen dauerhaft und endgültig sind. Der Kadaver eines Vampirs, der seine fleischlichen Ketten gesprengt hat, zerfällt bei Sonnenaufgang. Es ist möglich, das im Körper verbleibende Blut zu trinken, aber man gewinnt keine Vorzüge aus dieser versuchten Diablerie. Jeder Versuch, dem Körper eines Sterblichen, der seine fleischlichen Ketten gesprengt hat, den Kuss zu schenken, ist zum Scheitern verurteilt. Die frei herumfliegende Seele kann sich entscheiden, sich aufzulösen und jederzeit zu dem weiterzuziehen, was auch immer sie nach dem Tod erwartet (und ist deshalb kein Geist).
Der Salubri kann diese Kraft auf sich selbst anwenden, vorausgesetzt, er hat Golconda erreicht.